Maxi lernt Stricken (oder Häkeln)
Es ist kein Geheimnis mehr. Sogenannte soziale Netzwerke führen bei Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen und irgendwie jeder Altersgruppe zu Vereinsamung.
Einsamkeit, die eigentlich nicht sein müsste, wenn der tatsächliche soziale Kontakt zwischen Menschen unserer Zeit abnimmt, verstummt oder gar nicht eingeübt wird.
Das ist ein riesiges Gesellschaftsproblem und Gegenbewegungen gibt es dazu auch schon.
Maxi ist hier der ausgedachte Name für eines der fröhlichen Kinder im Hort der AWO Altdorf, nur zur Erklärung.
Für Euch Erwachsene zur Info, die Ihr gerade auf Facebook ein online-Dasein fristet: Es ist nicht mehr cool, auf Insta, TikTok, Klick mal hier, klick mal da, zu sein.
Es wird zunehmend spannender, das Smartphone mal auszuschalten. Wie ist es wie vor 30 Jahren, sich in offline Clubs oder offline Cafés zu treffen, wo Du absichtlich kein WLAN hast?
Berlin ist wie immer der Vorreiter dazu geworden. Hamburg und München haben ebenfalls Restaurants ohne Reels, Posts oder dergleichen Dauerwerbung.
Jetzt kommen wieder alte Gebräuche und sinnvoller Zeitvertreib wie Basteln, Gartenarbeit oder Handarbeiten zum Zug. Endlich. Und Hortkinder fragen Dich, wann die nächste Strickstunde ist.
Und die Kinder lieben es, ohne Abo-Zwang etwas mit Herz und Hirn zu erschaffen, das einzigartig, unverkäuflich und menschlich wertvoll sein kann. Ein Schal. Eine Mütze. Handschuhe. Nicht auf Amazon erhältlich. Strickzeug, Wolle, ein paar Techniken.
Zwei links, zwei rechts und irgendwas fallen lassen, da ist ein Lacher schon garantiert, ohne irgend ein Abo abschließen zu müssen. Und was Du da erschaffst, gehört wirklich nur Dir und keinem Internetprovider.
Da sind mehrere Buben und Mädels im Kinderhort der AWO Altdorf und engagierte Erzieherinnen, die ebenfalls die Kunst der Stricknadeln und Häkelknoten zum ersten Mal oder wieder (die Frau Erzieherin ist nicht mehr in der 3. Klasse) kennenlernen möchten.
Natürlich unter fachkundiger Anleitung der Strickdompteurinnen, ebenfalls AWO. Und es tut uns ja leid - die AWO-Handwerkerinnen lernen gerade noch, wie man bei Internetfotos freundlich und fröhlich kucken sollte. Da lernen wirklich alle noch was dazu.
Und es ist uns Stricknadeldompteurinnen eine Ehre und große Freude, unser Wissen und Können in dieser neuen Gruppe offline weitergeben zu dürfen.
Ein paar Treffen hatten wir schon. Alt und Jung reden, kichern und haben eine gemeinsame Aufgabe des Lernens einer uralten Handwerkskunst für sich entdeckt.
Da kannst Du etwas anderen beibringen, dass Du schon wie mit Autopilot tust, meistens beim Fernsehen. Nicht jeder von uns hat ein Klavier, eine Geige oder überhaupt musikalisches Talent.
Wie haben sich unsere Vorfahren die Zeit vertrieben? Bestimmt nicht mit stundenlangem Daddeln (=Spielen) auf dem PC oder dem Smartphone.
Aus einer alten Kulturtechnik wie dem Stricken oder Häkeln kann für alle Generationen wieder mit etwas Übung eine Art Meditation werden, ein seelischer Ausgleich abseits der Hektik des Alltags.
Und wenn Deine Hände noch zu klein sind, um den 2 Stricknadeln Einhalt zu gebieten, dann versuchen wir es mal gemeinsam mit dem Häkeln.
Da hast Du nur eine Nadel, aus der Du ebenfalls viele nützliche Dinge wie Topflappen für den väterlichen Grill, die nächste Wintermütze für Mama oder einen Schal für Dich selbst zaubern kannst.
Wir freuen uns schon auf die nächsten Treffen mit den Kindern, mit bunten Fäden, Lust machenden Strickmustern und wollener Fantasie.